RASTERUNGEN I:.

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Fotografische Performance Serie I:.
von Alexandra Gneissl

RASTERUNGEN I:.
2011

Ein Text von Grit Möller, Naturwissenschaftlerin und Philosophin

Gedanken über die performativ photographische Arbeiten I:. und I:.I. aus der Serie RASTERUNGEN von Alexandra Gneissl
Wie erkennt eine Digitalkamera ihr Objekt? Wie erkennt das menschliche Auge? Wie erkennt der menschliche Geist? Selbstreflexiv sind die Thematiken der Arbeiten I:. und I:.I. aus der Fotografischen Serie RASTERUNGEN von Alexandra Gneissl. Entsprechend konsequent bestehen die beiden Fotoserien aus Selbstaufnahmen der Künstlerin.

Die Kamera, konfrontiert mit einem Objekt, sucht es durch ein Raster hindurch zu erfassen. Raster schaffen Ordnung, sie können einzelnen Wahrnehmungen sinnvoll miteinander zu einem Objekt verbinden. Die Feinheit des Rasters bestimmt dabei die Präzision der Aufnahme. Jedoch erreicht das Raster nie die Feinheit des bestehenden Objektes. Es verbleibt also eine Unschärfe. Und das Objekt verbleibt gleichsam entdeckt als auch verdeckt durch das Raster.

Ähnlich ergeht es dem menschlichen Auge: Es lässt uns Teile, nicht aber das Gesamte sehen. Die Feinheit des Rasters in der Netzhaut ist naturgemäß begrenzt über die Anzahl der empfangenden Sinneszellen. Der menschliche Geist hingegen erkennt seine Objekte nicht nur über visuelle Impulse, sondern über alle wahrgenommenen Eigenschaften und setzt uns aus diesen eine Idee des Objekts zusammen. Auch hier ist ein notwendiges Scheitern an der unaufnehmbaren Komplexität eines Objektes gegeben.

Das poetisch anmutende Paar der Arbeit I:. bildet dieses Wesen der Erkenntnisfähigkeit ab: Die real existierenden Objekte, die sichtbaren Figuren, sind als existierend wahrnehmbar, aber es wäre eine Illusion zu glauben, sie in vollkommener Klarheit erkennen zu können. In ihrer Kombination ziehen die Fotografien den Blick in eine weitergehende Größe: Die beiden Gestalten scheinen auf einer Ebene zu stehen und sind doch jede in ihrem eigenen Bild. So ergeben sie beide wiederum zwei Teile eines Rasters und verweisen somit auf ein größeres, gewaltiges Raster, mit dem wir die gesamte Welt zu erfassen trachten.
Darin sind wir selbst unsere eigenen Erkenntnisobjekte. Wir versuchen nicht nur unser Gegenüber zu verstehen, sondern auch uns selbst – materialisiert und symbolisiert durch den gegenwärtigen Selbstauslöser in der Hand der Künstlerin.

Die Popart-spielerische Arbeit I:.I. führt die Suche nach dem Wesen der Erkenntnis fort. Es zeigt sich dieselbe Szenerie – farbiger. Einmal ist der Betrachter selbst das Objekt der Erkenntnis in den forschenden Augen der Künstlerin. Wie wirke ich selbst als Objekt? Was von mir ist dem Gegenüber wahrnehmbar?

Und was, wenn es gelänge, das Raster zu überwinden, es in sich einzureißen?
Dann entzieht sich das Objekt dem Blick.
Denn das Raster ist der Blick.

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